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Was macht man eigentlich im Freiwilligen Wissenschaftlichen Jahr?

TLDR:

Am Department für Informatik der Universität Oldenburg absolviert Ronja Krüger aktuell ein Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr (FWJ). Im Interview berichtet sie, wie sich durch das FWJ ihr Blick auf Informatik als Forschungsdisziplin gewandelt hat – und was sich aus ihrer Sicht ändern muss, damit sich mehr Mädchen und Frauen für MINT-Fächer interessieren.

Lesedauer: 3 min Kategorien: Interview, Informationstechnologie Datum: 11. April 2022

Wer zwischen Abitur und Studium etwas Neues erleben will, hat viele Optionen, von Work and Travel bis zu freiwilligem Engagement. Das Freiwillige Soziale Jahr oder Freiwillige Ökologische Jahr sind vielen ein Begriff, doch in Oldenburg gibt es noch eine andere Möglichkeit: Die Universität bietet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr (FWJ) an. Eine von aktuell 18 Freiwilligen ist Ronja Krüger, die am Department für Informatik arbeitet.

Ronja Krüger absolviert momentan ein Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr am Department für Informatik der Universität Oldenburg.
Foto: Ronja Krüger 2021

Ronja, wie bist du auf die Idee gekommen, ein FWJ zu machen?

Für Informatik habe ich mich schon in der Schule sehr interessiert. Nach dem Abitur wollte ich aber erst einmal etwas Anderes machen, als wieder über Büchern zu sitzen und für Klausuren zu lernen. Außerdem wollte ich nicht mit Online-Veranstaltungen ins Studium starten. Als ich über eine Rundmail meines Schulleiters vom FWJ erfahren habe, bin ich neugierig geworden und habe eine Initiativbewerbung an das OFFIS – Institut für Informatik geschickt. Im Sommer 2021 kam dann die Zusage, dass ich das FWJ in Kooperation mit der Universität machen kann.

Was sind deine Aufgaben im FWJ?

Ich arbeite seit September 2021 in der Abteilung für Medieninformatik und Multimedia-Systeme von Susanne Boll-Westermann. Was ich dort genau mache, besprechen die Wissenschaftler_innen und ich gemeinsam: Sie kommen mit Aufgaben auf mich zu, aber ich kann auch selbst Wünsche äußern, in welchen Bereichen ich mitarbeiten und zu welchen Themen ich mehr erfahren will. Ich übernehme zum Beispiel kleinere Programmieraufgaben oder arbeite in der Koordination von Forschungsprojekten mit.

Neben der Arbeit mit den Wissenschaftler_innen lerne ich auch das Informatikstudium und das Unileben genauer kennen. Ich kann zum Beispiel Vorlesungen und andere Lehrveranstaltungen besuchen. Außerdem gibt es eigene Veranstaltungen für die Freiwilligen, in denen wir mehr über Themen wie Studienorientierung oder Zeitmanagement im Studium lernen.

In was für Forschungsprojekte bist du eingebunden?

Zum Beispiel in das Projekt „ZEIT“. Das steht für „Zusammen Erleben, Immersiv Teilhaben durch taktil unterstützte Virtual-Reality-Immersion in Multi-Nutzer-Szenarien“. Im Projekt haben wir ältere Leute im Blick, die alleine leben und nicht nur wegen Corona wenig Kontakt zu anderen haben. Wir wollen für sie Mixed-Reality-Anwendungen entwickeln, damit sie auf andere Art mit Freund_innen oder Verwandten in Verbindung bleiben können.

Zu Beginn meines FWJ hatte das Projekt gerade angefangen. Da ging es zuerst darum, von den älteren Menschen selbst zu erfahren, wie sie zu modernen Technologien stehen und was sie damit gerne erleben würden. Eigentlich war geplant, dass ich bei den Interviews in Pflegeheimen unterstützen kann. Aufgrund von Corona wollten wir dann aber die Kontakte reduzieren, sodass einige Gespräche auch online stattgefunden haben. Ich habe die Termine mit organisiert und die Gespräche protokolliert.

Hast du zu Beginn deines FWJ mit solchen Aufgaben gerechnet?

Nein, überhaupt nicht. Informatik war eines meiner Lieblingsfächer, aber ich habe es vor allem mit Programmieren in Verbindung gebracht. An der Uni habe ich gemerkt, dass die konkrete Forschungsarbeit vielfältiger ist. In Projekten wie ZEIT geht es darum, erst einmal die Bedürfnisse von Menschen zu verstehen und dann für sie Lösungen zu entwickeln. An etwas zu arbeiten, das später anderen konkret im Alltag hilft, finde ich cool. Ich glaube, wenn das mehr Jugendliche wüssten, würden sie sich eher für ein Informatikstudium interessieren. Deshalb ist es mir wichtig, in meinem FWJ auch andere für das Fach zu begeistern.

Wie machst du das?

Ich arbeite bei AHOI_MINT mit. Das ist ein Bildungsprojekt, das von der Uni Oldenburg, dem OFFIS, dem Schlauen Haus Oldenburg, dem Landesmuseum Natur und Mensch und dem Schülerforschungszentrum NordWest getragen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Es geht darum, Angebote für Jugendliche zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, also zu MINT-Fächern, im Nordwesten Niedersachsens zu vernetzen. Dabei denken wir vor allem an Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren. Aktuell organisieren wir zum Beispiel für September ein MINT-Festival auf dem Oldenburger Schlossplatz, bei dem unsere mehr als 70 Mitglieder kleine „Mitmachaktionen“ im Bereich MINT anbieten können. Das Projekt finde ich wichtig, weil ich mir als Jugendliche mehr Angebote in unserer Region zu MINT-Themen gewünscht hätte.

Ist es aus deiner Sicht etwas Besonderes, wenn Mädchen und Frauen sich für Informatik interessieren?

Es sollte eigentlich nichts Besonderes sein. Trotzdem habe ich mir immer wieder komische Kommentare anhören müssen. Als ich in der Schule Mathe, Informatik und Physik als Leistungskurse wählte, fragten mich Verwandte und sogar Lehrer_innen, wie ich auf die Idee gekommen sei und ob ich mir das wirklich zutrauen würde. Ich glaube, dass sie bei einem Jungen anders reagiert hätten.

Auf der anderen Seite hatte ich auch eine sehr engagierte Mathe- und Informatiklehrerin, die viele Schüler_innen mit ihrer Begeisterung für ihre Fächer angesteckt hat – unabhängig vom Geschlecht. Ohne sie wäre ich heute vielleicht nicht hier. Solche Lehrer_innen müsste es häufiger geben.

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