Wildgänse auf Wanderung
Foto: Corinna Langebrake
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Nachgefragt bei… Bo Leberecht

Aus der Reihe Geheimnis Vogelzug
TLDR:

Wie orientieren sich Zugvögel, die nachts unterwegs sind? Und stören Radiofrequenzen sie dabei, ihren Weg zu finden? Das untersucht der Doktorand Bo Leberecht. Im Interview berichtet er auch, was für ihn die Arbeit in einem großen Verbundprojekt ausmacht.

Lesedauer: 2 min Kategorien: Interview, Tiernavigation Datum: 4. Mai 2020

# Jahrgang 1990
# Doktorand
# Forschungsschwerpunkt: Verhaltensexperimente mit nacht-migrierenden Zugvögeln unter Radiofrequenzen

Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?

Das durchdringende Verstehen von Mechanismen und Abläufen der Natur faszinierte mich bereits von Anfang an. Die Komplexität von tierischem Verhalten ist tiefgründig und facettenreich, daher können Verhaltensexperimente einfach erscheinen, bedürfen aber wohldurchdachter Planung. Genau diese Herausforderung reizt mich an der Wissenschaft und besonders an unserem Projekt.

Woran arbeiten Sie aktuell? Und wie bettet sich Ihre Arbeit in das Gesamtprojekt ein?

In meinem Projekt untersuchen wir, ob eine der Kernannahmen der derzeitigen Forschung, wie nacht-migrierende Zugvögel das Erdmagnetfeld wahrnehmen, im lebenden Organismus auch wirklich beweisbar ist. Im genaueren bedeutet dies, zu untersuchen, ob die involvierten Moleküle tatsächlich so komplex sind wie angenommen. Theoretischen Berechnungen zufolge sollten mit höherer Komplexität der Moleküle höher frequentierte Radiofrequenzen einen Einfluss auf den Mechanismus haben. Im Verhalten bedeutetet dies, dass der Orientierungssinn die Tiere bei Präsenz der Radiofrequenzen gestört wäre. Die vergangenen Jahre der Forschung lassen annehmen, dass ein bestimmtes Molekül-Paar elementar bei der Wahrnehmung des Magnetfeldes ist. Mit dieser Annahme arbeiten auch viele andere Gruppen des Großprojektes. Mein Projekt liefert die Bestätigung oder Ablehnung dieser Annahme auf Basis des Verhaltens der Zugvögel. Somit erhalten andere Projekte Rückmeldung, ob das bisher angenommene Molekül-Paar, aus Sicht des Verhaltens, tatsächlich involviert ist.

Was macht das Arbeiten in einem solchen großen Verbundprojekt so besonders (wissenschaftlich, aber auch persönlich)?

Man erhält viele Einblicke in andere Disziplinen und Felder und kann seinen Horizont erweitern. Nicht selten kommen unverhoffte Denkanstöße und weiterführende Fragen, die beim Verstehen der Materie und beim Überwinden von Blockaden helfen. Andererseits kann man anderen selbiges zurückgeben.

Wo holen Sie sich Inspiration?

Ich sehe mir gerne Dokumentationen zu unterschiedlichen Themen an. Und wie gerade schon erwähnt, erhalte ich neue Denkanstöße durch das Gespräch mit anderen. Gerade bei der Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen anderer Disziplinen interessieren mich die unterschiedlichen Blickwinkel auf ein Thema. Bei Musik kann ich den Geist schweifen lassen und mir eine kurze mentale Pause nehmen, bevor ich aktuelle Aufgaben und Probleme aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

Wie hilft Ihre Forschung den Menschen im Nordwesten?

Wir Menschen produzieren bewusst wie unbewusst Radiofrequenzen. In manchen Fällen ist das offensichtlicher (zB. Handy, WLAN etc.), als in anderen (jegliches elektronische Gerät, Hochspannungsmasten etc.). Auch wenn dies nicht der Fokus des Projekts ist, erfahren wir durch die Ergebnisse, inwieweit der Mensch den Lebensraum der Zugvögel durch Radiofrequenzen beeinträchtigen könnte.

Welches ist Ihr Lieblingsort in unserer Region?

In meiner Freizeit gehe ich gerne in den Irish Pub „The Pub“ in der Wallstraße in Oldenburg. Ich mag die Atmosphäre, den Kaffee, die Musik, die Belegschaft und natürlich das Guinness.

Welche „Impulse“ wünschen sie sich von unseren Leser_innen?

Ich freue mich immer über einen Austausch.

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