Dr. Stephanie Birkner
Foto: Universität Oldenburg

Nachgefragt bei… Prof. Dr. Stefanie Birkner

TLDR:

Prof. Dr. Stephanie Birkner ist Juniorprofessorin für Female Entrepreneurship an der Universität Oldenburg und beschäftigt sich unter anderem mit Rollenbildern im Unternehmenskontext. Ich habe sie getroffen und ihr Fragen über ihre Forschung aber auch ihre persönliche Liebe zu unserer Region gestellt. Lesen Sie ihre spannenden Antworten!

Lesedauer: 3 min Kategorie: Interview Datum: 21. November 2019

# Jahrgang 1981 (38 Jahre)
# Female Entrepreneurship
# Gendered Innovation
# Digitalisierung und Diskriminierung

Warum sind Sie Wissenschaftlerin geworden?

Als Wissenschaftlerin habe ich die Freiheit, mich auf die Suche nach Antworten auf Fragen zu begeben, die die verantwortungsbewusste Gestaltbarkeit von Zukunft nicht nur als Chance, sondern als gestaltbare Möglichkeit von und für alle in den Fokus rückt.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Eines meiner Hauptthemen sind die Rollenbilder von Unternehmerinnen / Frauen in Führungspositionen. Dabei interessiert mich neben der eigenen Sichtweise auch das Verständnis von außen. Ein Beispiel hier ist der sogenannte „bossy-Effekt“. So zeigen Studien, dass gleiche Verhaltensweisen unterschiedlich wahrgenommen werden; während beispielsweise männliche Führungskräfte als überzeugend und engagiert erlebt werden, werden weibliche Führungskräfte als aufdringlich und selbstsüchtig wahrgenommen. Zudem interessieren mich die Chancen und Risiken der Digitalisierung im Zusammenhang von Diskriminierungsfragen. Die Annahme liegt nahe, dass Entscheidungen objektiver und fairer werden, wenn nicht wir Menschen, sondern Maschinen sie für uns fällen. Tatsache ist jedoch, dass Algorithmen oder auch künstliche Intelligenzen nur so „fair“ sind, wie die Datenbasis auf die sie zugreifen sowie der Algorithmus, der diese auswertet. Und so wird der digitale Zwilling ebenso Diskriminierungseffekten unterliegen, wie es unsere reale/ analoge Welt ist. In diesen Tatsachen liegen jedoch nicht nur Herausforderungen, sondern auch spannende Chancen und Möglichkeiten, die mich besonders interessieren. Und als Drittes beschäftige ich mich im Fokus-Bereich Public Health mit dem Innovationspotenzial von vielfältigen Geschlechterperspektiven. Viele Jahre lang waren Forschungen und damit auch daraus hervorgehende Innovationen dominiert von vornehmlich männlichen Perspektiven – sowohl was die Forschenden selbst als auch was die beforschten Personen betrifft. Ich will diese verengte Sichtweise („Gender Bias“) überwinden, denn dies kann nicht nur Geld sparen, sondern sogar Leben retten.

Wo holen Sie sich Inspiration?

Ich tausche mich gerne mit „fachfremden“ Kolleg_innen aus, um die Perspektiven anderer Disziplinen auf gleiche/ ähnliche Fragestellungen zu erhalten. Dazu unterhalte ich mich auch gerne mit völlig Fremden, wie zum Beispiel auf einer Bahnreise. Auch erhalte ich frische Inspiration von gleichgesinnten Menschen, die sich in ihrem Arbeits- und/oder Lebensalltag mit Aspekten meiner Forschungsthemen auseinandersetzten (müssen). Und zu guter Letzt hole ich mir vor allem Motivation, aber auch Inspiration in den Büchern meiner Kinder.

Wie hilft Ihre Forschung den Menschen im Nordwesten?

Mit meiner Forschung möchte ich einerseits die Menschen im Nordwesten dazu motivieren, dass sie, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer Herkunft etc. mit ihren Ideen etwas bewegen können. Sei die Idee noch so simpel. Andererseits möchte ich sie aber auch sensibilisieren, zum Beispiel für die eigenen blinde Flecken im Umgang mit Menschen eines anderen Geschlechts; vor allem im Kontext von Innovationen und Unternehmertum/Führung.

Welches ist Ihr Lieblingsort in unserer Region?

Streuobstwiesen im Ammerland und das am liebsten im Herbst. Nicht nur, weil ein Besuch dann lecker ist und die Vielfalt der Farben und Tiere, die zu beobachten sind einfach unglaublich toll, sondern auch weil zu dieser Zeit so unterschiedliche Menschen auf den Wiesen zusammen kommen, um gemeinsam zu ernten und das Obst zu verwerten.

Streuobstwiese
Foto: unsplash/ricobico

Welche „Impulse“ wünschen sie sich von unseren Leser_innen?

Fragen, Fragen, Fragen… Und da ich mich so viel mit den blinden Flecken anderer interessiere: Zeigen Sie sie mir gerne meine eigenen auf! Nutzen Sie dafür gerne die Kommentarfunktion!

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