Wildgänse auf Wanderung
Foto: Corinna Langebrake
+4

Nachgefragt bei… Katrin Haase

Aus der Reihe Geheimnis Vogelzug
TLDR:

Ein „Kartensinn“ im Schnabel und ein im Auge sitzender Magnetkompass helfen Zugvögeln dabei, sich zu orientieren. Was dabei genau passiert, untersucht die Doktorandin Katrin Haase. Im Interview berichtet sie auch von der Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftler_innen und verrät ihre Lieblingsorte in Oldenburg.

Lesedauer: 2,5 min Kategorien: Interview, Tiernavigation Datum: 4. Mai 2020

# Jahrgang 1994
# Doktorandin
# Forschungsschwerpunkt: neuronale Grundlagen des magnetischen „Kartensinns“ von Zugsingvögeln

Katrin Haase
Foto: privat

Warum sind Sie Wissenschaftlerin geworden?

Ich bin Wissenschaftlerin geworden, weil es mich schon immer interessiert und fasziniert hat, wie unser Gehirn und das von Tieren funktioniert.  Dem wollte ich gerne näher auf den Grund gehen. Dazu kam die Neugierde darüber, wie Zugvögel es schaffen, den Weg zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten ohne jegliche Hilfsmittel zu finden, die wir Menschen sonst haben – zum Beispiel GPS. So bin ich letztendlich bei meinem Promotionsthema gelandet, mit dem ich beide Themen verbinden kann.

Woran arbeiten Sie aktuell? Und wie bettet sich Ihre Arbeit in das Gesamtprojekt ein?

Ich promoviere an der Universität Oldenburg in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Mouritsen und forsche an den neuronalen Grundlagen des magnetischen „Kartensinns“ von Zugsingvögeln. Wenn ein Zugsingvogel zwischen seinen Brut- und Überwinterungsgebieten migriert, nutzt er dabei unter anderem das Erdmagnetfeld zur Orientierung. Hierfür findet sich im Auge des Vogels ein richtungsweisender Magnetkompass. Darüber hinaus muss der Vogel ebenfalls seine aktuelle Position auf der Erde ermitteln können (wie wir es mit Hilfe einer Landkarte tun), um die Richtung seines Fluges bestimmen zu können. Es gibt Hinweise, dass dieser magnetische „Kartensinn“ im Schnabel des Vogels sitzt und Informationen von dort aus an das Gehirn weitergeleitet werden. Ich schaue mir an, welche Nervenbahnen im Schnabel die Magnetfeldinformationen an das Gehirn weiterleiten und in welchen Gehirnbereichen diese Informationen verarbeitet werden.

Mein Projekt trägt neben anderen Projekten des Sonderforschungsbereichs (SFB) dazu bei, die neuronalen Prozesse der Magnetrezeption zu verstehen. Dieses Forschungsfeld ist das Verbindungsglied zwischen der Forschung zur Signaldetektion im Körper der Vögel und der wissenschaftlichen Beobachtung ihres resultierenden Verhaltens auf einen Magnetstimulus.

Was macht das Arbeiten in einem solchen großen Verbundprojekt so besonders (wissenschaftlich, aber auch persönlich)?

Am SFB schätze ich vor allem den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kolleg_innen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Ich kann meinen wissenschaftlichen Horizont erweitern, und dadurch, dass wir das „große Ganze“ im Auge behalten, können wir in Zukunft das Rätsel der Magnetrezeption in Zugvögeln weiter lösen.

Wie spielen Magnetrezeptoren und Gehirnstrukturen zusammen, damit sich Zugvögel (hier zum Beispiel eine Zwergammer) orientieren können? Das untersucht Doktorandin Katrin Haase.
Foto: Thiemo Karwinkel

Wo holen Sie sich Inspiration?

Mich inspirieren vor allem die Gespräche mit meinen Kolleg_innen. Dadurch kommen immer wieder neue Ideen auf, wie mein Forschungsprojekt weiter vorangebracht werden kann. Außerdem lese ich gerne wissenschaftliche Beiträge und höre mir Vorträge aus allen Feldern der Wissenschaft an.

Wie hilft Ihre Forschung den Menschen im Nordwesten?

Meine Grundlagenforschung trägt dazu bei, das Phänomen der Navigation und Migration von Zugvögeln anhand des Erdmagnetfeldes zu verstehen. Dieses, wie ich finde, sehr interessante Wissen teile ich gerne mit den Menschen der Region. Langfristig kann ein gutes Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen dabei helfen, Vogelarten zu schützen und zu erhalten.

Welches ist Ihr Lieblingsort in unserer Region?

In meiner freien Zeit erkunde ich gerne die Natur in und um Oldenburg, am liebsten mit dem Fahrrad. Am schönsten finde ich es an der Hunte und in der Haarenniederung. Ansonsten besuche ich gerne die gemütlichen Cafés und Bars der Innenstadt, wie zum Beispiel das Kaffee Hamburg oder die Flänzburch.

Welche „Impulse“ wünschen sie sich von unseren Leser_innen?

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn die Leser_innen offen für die Wissenschaft und neue Themengebiete sind, die oft spannender sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

+4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr aus der Reihe Geheimnis Vogelzug
Nachgefragt bei… Bo Leberecht
Wie orientieren sich Zugvögel, die nachts unterwegs sind? Und stören Radiofrequenzen sie dabei, ihren Weg zu finden? Das untersucht der Doktorand Bo Leberecht. Im Interview berichtet er auch, was für
[…] weiterlesen
Nachgefragt bei… Raphael Schween
Der Doktorand Raphael Schween untersucht die DNA und RNA von Rotkehlchen, um herauszufinden, warum sie sich in ihrem Wanderungsverhalten unterscheiden. Im Interview spricht er außerdem darüber, wie die Zusammenarbeit mit
[…] weiterlesen