Wildgänse auf Wanderung
Foto: Corinna Langebrake
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Nachgefragt bei… Lisa Spiecker

TLDR:

Fische legen im Ozean oft erstaunlich lange Strecken zurück. Wie orientieren sie sich dabei? Das untersucht Dr. Lisa Spiecker. Die begeisterte Taucherin sieht Wissenschaft als „Detektivarbeit“ und berichtet, was ihr daran besonders gut gefällt.

Lesedauer: 2,5 min Kategorien: Interview, Tiernavigation Datum: 4. Mai 2020

# Jahrgang 1989
# Post-Doc
# Forschungsschwerpunkt im Projekt: Magnetorientierung in Fischen
# persönlicher Hashtag: begeisterte Taucherin und Wissenschaftlerin. „Andere haben einen Vogel, ich habe Fische.“

Lisa Spiecker
Foto: privat

Warum sind Sie Wissenschaftlerin geworden?

Für Natur und Tiere habe ich mich schon seit meiner Kindheit interessiert. Mit 15 Jahren habe ich einen Tauchschein gemacht, wodurch ich noch neugieriger auf Meerestiere wurde. An der Forschung fasziniert mich vor allem die „Detektivarbeit“, mit der man komplizierten Sachverhalten auf den Grund geht. Neue, spannende Erkenntnisse sind dabei ein schöner Lohn für harte Arbeit. Auch hoffe ich, dass sich durch ein besseres Verständnis von Vorgängen in der Natur neue Möglichkeiten zum Umweltschutz auftun.

 

Woran arbeiten Sie aktuell? Und wie bettet sich Ihre Arbeit in das Gesamtprojekt ein?

Insgesamt befasst sich unser SFB-Projekt mit Magnetrezeption und Navigation bei Wirbeltieren. Die meisten Teilprojekte fokussieren sich dabei auf Zugvögel, während wir in unserem Teilprojekt wandernde Fische untersuchen. In früheren Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass diese nicht zufällig von einem Ort zum nächsten wandern, sondern dass die Fische oft ein Ziel verfolgen – zum Beispiel ihren Geburtsort. Dazu sind hervorragende Orientierungs- und Navigationsfähigkeiten notwendig, wenn man bedenkt, wie riesig der Ozean ist und wie winzig Fischlarven sind. Um zu untersuchen, wie sich die Fische mithilfe ihrer Sinne orientieren und wie sie ihre eigene geografische Position bestimmen, führen wir Laborversuche in Oldenburg sowie Feldversuche auf One Tree Island durch, einer kleinen Insel im südlichen Great Barrier Reef, die zur Universitat von Sydney gehört. In den Laborversuchen in Oldenburg untersuchen wir, ob Fische Änderungen des Magnetfeldes wahrnehmen können, und wenn ja, bei welchem Wert die Wahrnehmungsschwelle liegt. Anschließend möchten wir Versuche durchführen, in denen wir junge Fische verschiedenen simulierten Magnetfeldern aussetzen, um damit zu überprüfen, inwiefern sich die Fische mithilfe der Magnetfelder orientieren.

In den Feldversuchen beschäftigen wir uns mit jungen Korallenfischen und untersuchen, inwiefern sie sich bei der Suche nach einer geeigneten Stelle zur Ansiedlung am Riff anhand der Sonne (mit einem Sonnenkompass) und anhand des Magnetfeldes (mit einem Magnetkompass) orientieren.

 

In ihrer Forschung untersucht Lisa Spiecker unter anderem Larven des Falschen Clownfischs.
Foto: Lisa Spiecker

Was macht das Arbeiten in einem solchen großen Verbundprojekt so besonders (wissenschaftlich, aber auch persönlich)?

Es ist sehr anregend, mit Wissenschaftler_innen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen zusammenarbeiten: Meine Kolleg_innen kommen unter anderem aus der Verhaltensforschung, molekularen Biologie, Biochemie, Neurobiologie oder der Biophysik. Untereinander haben wir einen sehr engen Kontakt und kooperieren gut zwischen den verschiedenen Projekten. Durch unsere Diskussionen bekomme ich Einblicke in andere Arbeitsgebiete; auch tauschen wir uns untereinander über unsere Forschungsmethoden aus. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass wir so etwas wie eine wissenschaftliche „Großfamilie“ bilden.

Wo holen Sie sich Inspiration?

Inspiration hole ich mir oft durch bereits durchgeführten Untersuchungen: Bei ihnen bleiben immer Fragen offen, denen ich im Anschluss weiter auf den Grund gehen möchte. Auch der Austausch mit Wissenschaftler_innen aus anderen Fachbereichen ist sehr inspirierend, weil sie mich durch ihre jeweils eigenen Perspektiven auf neue Fragen bringen.

 

Wie hilft Ihre Forschung den Menschen im Nordwesten?

Wie bereits oben kurz angesprochen denke ich, dass ein besseres Verständnis von Vorgängen in der Natur, direkt um uns herum und im Rest der Welt, dabei helfen kann, die Natur besser zu schützen. Ich hoffe, ich kann die Menschen im Nordwesten (vor allem auch junge Menschen) dazu anregen, sich für die Natur und speziell die Forschung im Fachbereich Biologie zu interessieren, damit auch in Zukunft effektive, innovative Forschung möglich ist.

 

 

Welches ist Ihr Lieblingsort in unserer Region?

Ich lebe erst seit einem Jahr in der Region und bin noch dabei, meine Umgebung zu erkunden, wodurch ich noch keinen Lieblingsort habe. Insgesamt bin ich aber begeistert von den schönen Fahrradwegen, den Moorwiesen, den vielen Seen und den Nordseestränden.

Welche „Impulse“ wünschen sie sich von unseren Leser_innen?

Fragen und Anregungen sind immer gut! Ich freue mich über jeden, der Interesse an unserem Projekt zeigt und habe für alle Nachfragen und Denkanstöße zu unserem Projekt ein offenes Ohr.

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