Wildgänse auf Wanderung
Foto: Corinna Langebrake
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Nachgefragt bei… Thiemo Karwinkel

TLDR:

Der Doktorand Thiemo Karwinkel überprüft Hypothesen über das Verhalten von Zugvögeln an wilden, frei fliegenden Vögeln. Im Interview erzählt er, was ihm an der Arbeit als Wissenschaftler fasziniert und was ihm an Helgoland so gut gefällt.

Lesedauer: 1,5 min Kategorien: Interview, Tiernavigation Datum: 4. Mai 2020

# Jahrgang 1993
# Doktorand
# Forschungsschwerpunkt im Projekt: Hypothesenüberprüfung zu Orientierung/Navigation an frei fliegenden Vögeln

Thiemo Karwinkel
Foto: privat

Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?

Ich wollte immer schon die Hintergründe hinter faszinierenden Phänomenen in der Natur verstehen. Zudem stellt einen die Arbeit als Wissenschaftler vor immer neue Herausforderungen, wie sie wohl in wenigen anderen Berufen zu finden sind: Hier ist viel eigene Kreativität und weiterführendes logisches Denken gefordert.

Woran arbeiten Sie aktuell? Und wie bettet sich Ihre Arbeit in das Gesamtprojekt ein?

Ich teste verschiedene Hypothesen zur Orientierung/Navigation und zum Zugverhalten von Singvögeln, die vor allem in Laborexperimenten gewonnen wurden, an wilden frei fliegenden Vögeln. So möchte ich die Hypothesen in der realen Umwelt der Vögel überprüfen und sie in Zusammenhang mit der Ökologie des Vogelzugs bringen.

Thiemo Karwinkel erforscht Vögel nicht nur, er fotografiert sie auch. Hier das Bild eines Mornellregenpfeiffers.
Foto: Thiemo Karwinkel

Was macht das Arbeiten in einem solchen großen Verbundprojekt so besonders (wissenschaftlich, aber auch persönlich)?

Wissenschaftlich ist die Arbeit im Projekt eine große Bereicherung, da man Hilfe aus allen Fachrichtungen bekommen kann, was bei diesem Thema auch unbedingt erforderlich ist. Wir als Freilandbiologen bzw. Ökologen haben limitierte Expertise beispielsweise mit physikalischen Zusammenhängen und könnten entsprechend benötigte Geräte nicht alleine bauen bzw. bedienen oder entsprechende Messungen bewerten.
Die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftler_innen regt außerdem zu Diskussionen über das Thema an, da jeder die Hypothesen des anderen im Zusammenhang seiner Fachrichtung einordnen kann. Wissenschaftlich fühlt man sich sicher und gut aufgehoben, denn man weiß genau, wen man zu einem bestimmten Thema befragen kann, bei dem es in der eigenen Arbeitsgruppe an Expertise fehlt. Persönlich hat man auch über seine eigene Arbeitsgruppe hinaus persönliche Kontakte mit Leuten, mit denen man ansonsten keine Berührungspunkte hätte.

Wo holen Sie sich Inspiration?

Viel Inspiration kommt durch das Verfolgen der aktuellen Literatur, da neue Studien immer wieder neue Impulse in der Fachrichtung setzen.

Wie hilft Ihre Forschung den Menschen im Nordwesten?

Meine Forschung hilft dabei, den Vogelzug besser zu verstehen, den die Menschen hier im küstennahen Nordwesten besonders intensiv erleben können.

Welches ist Ihr Lieblingsort in unserer Region?

Helgoland – hier findet meine Forschung statt. Es ist ein einmaliges Vogelparadies in Deutschland.

Welche „Impulse“ wünschen sie sich von unseren Leser_innen?

Ich würde gerne wissen, ob sich die Leser_innen eine Form der Kommunikation unserer Arbeit in entsprechend einfach gestalteter Weise wünschen, sodass auch interessierte Laien etwas von unserer Forschung erfahren können.

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